Auto & Umwelt

Erdgasauto: Uralte Idee im neuen Gewand

Mit dem Erdgasauto ist eine Form des alternativen Antriebs gemeint, die sich mit anderen Formen in einigen Bereichen überschneidet. Grundsätzlich handelt es sich beim Erdgasauto um einen Verbrennungsmotor, bei dem komprimiertes Erdgas als Kraftstoff verwendet wird. Doch so einfach ist es nicht, denn Erdgas ist nicht gleich Erdgas. Und das gilt insbesondere für die Umweltbilanz der Fahrzeuge.



Modifizierter Ottomotor

Kernstück des Erdgasautos ist ein Ottomotor, in dessen Zylindern ein Erdgas-Luft-Gemisch verbrannt wird. Die Idee ist keineswegs neu, im Gegenteil: Mit dem Erdgasauto kommt ein Erfolgsmodell aus den Urzeiten des Automobils wieder in neuem Gewand daher. 1862 soll Étienne Lenoir das erste Gasmotorenfahrzeug gebaut haben. Gas ist in der Folgezeit bis Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts in unterschiedlicher Form als Treibstoff verwendet worden. Neben Biogas, Erdgas auch Holzgas.

Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts hat sich dann die Autoindustrie stärker den Diesel- und Benzinmotoren zugewandt, Erdgas-Fahrzeuge wurden nicht in Serie hergestellt. Wie schon bei der Durchsetzung des Benziners gegenüber dem Elektromotor hat auch der Preis für Erdöl (lange Zeit sehr niedrig) diesem Vorteile verschafft. Die 1990er Jahre mit dem zweiten Golfkrieg haben die Wende gebracht. 1994 sind zum Beispiel in Deutschland die ersten Fahrzeuge in Serie gegangen, zwei Jahre später war bereits das Who-is-Who der Autoindustrie mit eigenen Modellen vertreten.

Rund um den Globus soll es bereits mehr als 5,7 Millionen Fahrzeuge mit Erdgasmotor geben, vor allem in Südamerika sind es die mit einigem Abstand meisten dieser Art. In Deutschland wird die Zahl der Erdgasfahrzeuge auf 70.000 (Anfang 2008) geschätzt.



Varianten

Trotz der steigenden Fahrzeugzahlen ist das Tankstellennetz für Erdgas noch nicht auf dem wünschenswerten Stand. Daher gibt es auch eine Reihe von Fahrzeugen, die sowohl Erdgas als auch Benzin als Treibstoff verwenden können. Der Betrieb des Motors ist umstellbar, ohne besondere Mühe kann also von Erdgas auf Benzin und umgekehrt umgeschaltet werden. Derartige Modelle gehören in die Kategorie FlexFuel, das auch in anderer Hinsicht Verwendung findet, etwa bei Fahrzeugen, die sowohl Benzin als auch Ethanol E85 tanken können.

Daneben existieren auch Fahrzeuge, die eigentlich nur mit komprimiertem Erdgas betrieben werden können. Hier kann allenfalls ein Nottank kurzfristig einspringen. Der Vorzug dieser Form von Fahrzeugen ist die bessere Motorenanpassung an den Erdgasbetrieb: Damit verringern sich Kraftstoffverbrauch und Schadstoffemissionen. Wenn man so will, gibt es noch eine dritte Variante: den umgerüsteten Ottomotor. Theoretisch lassen sich alle Fahrzeuge auf Erdgastechnologie umrüsten, was gleich den großen Vorteil des Erdgasautos gegenüber zahlreichen anderen zukunftsträchtigen Formen des Motors (vor allem der Wasserstofftechnologie) zeigt: Es kann auf durchentwickelte, ausgereifte Motorentechnik zurückgegriffen werden.



Wirtschaftlich und umweltschonend

Im Vergleich zu herkömmlichen Benzin- und Dieselfahrzeugen, aber auch gegenüber Hybrid-Fahrzeugen gelten Erdgasautos als wirtschaftlich und umweltschonend. So haben Vergleichstests dem Modell einen signifikanten Vorzug gegenüber den anderen Motorentypen erbracht: Im Mischverkehr sollen zwischen 30 und 60 Prozent weniger Treibstoffkosten entstehen, was neben dem Verbrauch auch an den steuerlichen Vorteilen liegt.

Erdgas steht zudem im Ruf, weniger Emissionen zu erzeugen. Das Klimagas CO2 soll bis zu 25 Prozent weniger in die Luft geblasen werden, im Vergleich Dieselfahrzeug sind es vor allem die wesentlich geringeren Abgaswerte, die Erdgas interessant werden lassen. Die Zukunft soll vor allem dem Biogas gelten, wenn nämlich aus Biomasse gewonnenes Gas zunächst zu zehn, später zu zwanzig Prozent zugemischt wird, und so die Umweltbilanz weiter verbessern hilft.

So wundert es wenig, dass viele Autohersteller auf Gas-Fahrzeuge setzen und auch die Politik kräftig subventioniert. Bis 2018 sollen die Steuern für Erdgas auf niedrigem Niveau bleiben, um einen Anreiz dafür zu geben, entweder eine Umrüstung des Fahrzeugs vorzunehmen oder den Aufpreis für ein Erdgasauto zu leisten.



Endlicher Rohstoff, Gewicht, Reichweite, Tankstellennetz

Allerdings handelt es sich beim Erdgasauto nicht um eine Wunderwaffe. Klar ist, dass Erdgas ein endlicher Rohstoff ist. Zwar kann dieser durch Beimischung von Biogas gestreckt werden, doch sind auch hier dem theoretisch denkbaren Potenzial Grenzen gesetzt.

Immerhin sehen Experten in Biogas ein wesentlich interessanteres Modell als etwa bei Biodiesel: Wesentlich geringere Anbauflächen sorgen für ein höheren Ertrag an Gas (Methan), was hinsichtlich Effizienz und Klimafreundlichkeit wesentliche Vorteile bringt. Undenkbar bleibt derzeit allerdings, dass es zu einer vollständigen Umstellung auf Biogas kommt, daher wird auch beim Erdgas, das ja auch zum Heizen verwendet wird, irgendwann der Endpunkt erreicht sein. Ein weiterer Haken ist die zusätzliche Gewichtsbelastung durch die großen und aufwändigen Tanks, die in den Fahrzeugen installiert werden müssen. Hier haben die Hersteller bei neuen Modellen allerdings bereits wesentliche Fortschritte entwickelt, so soll das Konzeptfahrzeug Audi A5 T-CNG nur noch 90 Kilogramm mehr auf die Waage bringen, als es ein 1.8 TFSI-Benziner tun würde.

Die Tanks müssen eine gewisse Größe erreichen, denn die bislang festzustellende Reichweite bei Erdgasfahrzeugen ist einer der Knackpunkte. Der genannte Audi soll einen mächtigen Fortschritt bringen und 420 Kilometer weit fahren können, was den Branchendurchschnitt übertrifft. Doch auch das ist nicht viel, denn das Tankstellennetz ist dünn. Damit verbindet sich das Konzept mit dem, was Autohersteller am meisten fürchten: Aufwand für den Kunden, der oft und keineswegs bequem tanken kann. So ist auch klar, dass ohne neue Anstrengungen für mehr Tankstellen für Erdgas der große Durchbruch nicht kommen wird. Aktuell haben von 15.000 Tankstellen nur 750 eine Zapfsäule für Erdgas.

Ein Beispiel gegen den Trend: Volvo hat sein Engagement bei Erdgasfahrzeugen einstweilen eingestellt und setzt auf Ethanol E85. Der Versuch, sich im Erdgas-Fahrzeugbereich zu tummeln, ist gescheitert.


 
 

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