Auto & Umwelt

Eco-Tuning: Wettrüsten in umgekehrter Richtung

Der Begriff "Tuning" steht im Zusammenhang mit Autos als Synonym für "Leistungssteigerung": Tiefergelegte Fahrzeuge, deren Karosserie und Motor oft schreiend auffällig für höhere Leistungen verändert worden sind – so in etwa ist das vielfach gezeichnete Bild eines getunten Autos. Doch der Schein trügt: Die Optimierung von Motoren und Karosserien muss keineswegs gleichbedeutend sein mit dem Wettrüsten um höhere Leistung. Im Gegenteil: Einschlägige Tuning-Spezialisten weisen schon seit geraumer Zeit darauf hin, dass etwa Veränderungen an der Karosserie zu einer verbesserten Aerodynamik des Fahrzeugs führen können, mit positiven Auswirkungen auf den Spritverbrauch.

Doch das größte Potenzial steht in einem sehr kleinen Teil des Autos: dem Chip.



Chip-Tuning für geringeren Verbrauch

So genannte "Chip-Tuning", also die gezielte Veränderung der standardisierten Steuersoftware des Automotors, ist kein ungewöhnlicher Vorgang. Durch die Modifizierung der Parameter haben bereits in der Vergangenheit Tuner die Leistungsfähigkeit des Motors erheblich erhöht. Pferdestärken lassen sich auf diese Weise in erheblichem Umfang herauskitzeln: Etwa bei einem TFSI-Aggregat aus dem Hause Volkswagen um 40 PS auf 240 PS.

Ein anderes Beispiel, das immer wieder genannt wird, ist ein 1,9 Liter TDI-Motor, der einen Leistungsgewinn von rund 30 Prozent erfährt. Seitdem die Spritpreise nur noch eine Richtung zu kennen scheinen, nämlich nach oben, hat aber auch eine andere Zielrichtung des Chiptunings an Attraktivität gewonnen. Statt des Wettrüstens bei der Leistung steht hier die Absenkung des Verbrauchs an erster Stelle. So kann bei dem bereits erwähnten TDI – Motor eine Verbrauchssenkung von einem bis eineinhalb Litern erzielt werden.

Interessant ist dabei, dass beide Formen des Tunings sich nicht ausschließen müssen. Die erwähnten TFSI-Motoren leisten nicht nur mehr durch die Veränderung, der Tuner Abt aus Kempten erreicht nach eigenen Angaben auch eine Verringerung des Verbrauchs gegenüber dem serienmäßig hergestellten Modellen. Die Frage, die auf der Hand liegt: Warum machen das die Autokonzerne nicht gleich selbst?



Alles eine Kostenfrage

Wer es noch nicht mitbekommen haben sollte: Wir leben in einer globalisierten Welt. Was das bedeutet, kann man leicht erfassen, wenn man etwa die Niederlassungen rund um den Globus anschaut, die der Volkswagen-Konzern (zuzüglich Tochtergesellschaften wie Seat, Skoda und Audi) unterhält. Oder welche Märkte mit Autos aus diesem Konzern bedient werden – nämlich fast alle.

Die Folge daraus ist: Ein Auto, das aus den Fabriken von Volkswagen rollte, muss auch möglichst "globalisiert" sein. Und zwar in der Standardausführung. Das heißt, dass das gleiche Modell mit den wesentlich stärker variierenden Umweltbedingungen außerhalb der sehr gemäßigten Klimazone Mitteleuropas fertig werden muss. Frost, Feuchtigkeit und Hitze können in anderen Teilen der Erde ganz andere Anforderungen stellen als hierzulande. Und auch der Sprit, der an den Tankstellen verabreicht wird, ist nicht überall der gleiche. So muss ein Fahrzeug auch mit brasilianischem Sprit oder asiatischen Verhältnissen klarkommen.

Das wird unter anderem über eine wenig spezifische Motorsteuerung erreicht. Der Grund dafür liegt im Preis: Jede Form der Spezifizierung macht ein Auto teurer und verringert damit die Wettbewerbsfähigkeit und den Gewinn. An diesem Punkt setzen Autotuner mit ihrem "Eco-Tuning" an.



Umrüstung auf neue Kraftstoffe

Doch das ist noch nicht alles. Neben dem Chiptuning in unterschiedlichster Form werden auch andere Wege beschritten, um die Fahrzeuge verbrauchsärmer zu machen. Ein weiterer Ansatzpunkt ist das Getriebe.

Andere Maßnahmen beschäftigen sich mit den neuen Kraftstoffen, genauer gesagt dem so genannten Bio- oder Agrarsprit. Hier, vor allem im Ethanol, sehen viele Auto-Tuner einen wichtigen Treibstoff der Zukunft und wollen die Autos fit dafür machen. Dabei geht es zunächst gar nicht so sehr um Fahrzeuge, die bereits standardmäßig mit dem Ethanol klarkommen, sondern um Umrüstungen von Fahrzeugen. Im Hause VDAT etwa sieht man auf diesem Gebiet den nächsten großen Markt für Auto-Tuner.

Ein Hemmschuh ist allerdings, dass noch relativ wenige Tankstellen in Deutschland den neuen Kraftstoff anbieten. Die Autoindustrie setzt dabei auf so genannten FlexFuel: Die Motoren können dann beides, mit herkömmlichem Benzin fahren, aber auch mit Ethanol E85, bei dem nur noch 15 Prozent Benzin beigemischt sind.

Autotuner gehen sogar noch einen Schritt weiter: FlexFuel wird wörtlich genommen und bleibt nicht nur auf Benzin und Ethanol E85 beschränkt – man soll am besten auch Flüssiggas in den Tank füllen können.



Der Haken: die Garantie

Doch gibt es beim Chiptuning auch einen Haken. So weisen Automobilclubs und andere immer wieder darauf hin, dass Chip-Tuning die Garantie gefährden könnte. Autohersteller bzw. –händler können Leistungen auf Garantie oder Kulanz verweigern, wenn sie darauf hinweisen, dass die Modifikationen an der Steuersoftware die Belastungen des Motors erhöht hätten. Dann steht der Verbraucher möglicherweise vor dem Problem, nachzuweisen, dass das nicht so ist. Das könnte sich als außerordentlich schwierig erweisen, meinen Experten, und ziehen das Fazit, dass Chip-Tuning eine Gratwanderung sei.


 
 

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