Formel 1
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Team-Portrait: Ferrari

Nein, die Formel 1-Saison 2009 war nicht die beste für den italienischen Traditionsrennstall Ferrari. Das ist noch sehr zurückhaltend formuliert, denn zumindest zeitweise sah es nach einem grandiosen Debakel für die roten Renner aus.

Höhepunkt der gruseligen Saison ist der schwere Unfall des brasilianischen Rennfahrers Felipe Massa gewesen: Massa, in der Vorsaison 2008 um genau eine Kurve an der Formel 1-Krone vorbeigerauscht, musste die Saison beenden, hinter der weiteren Karriere stand ein dickes Fragezeichen. Die Ersatzleute für Massa, Luca Badoer und Giancarlo Fisichella, haben die Lücke im Team nicht schließen können, so blieb es allein Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen vorbehalten, Punkte zu sammeln. Der Finne hat während Massas Abwesenheit auch 38 seiner insgesamt 48 Punkte errungen und somit für Ferrari halbwegs gesichtswahrend die Saison beenden können.

Die Saison 2009 ist für Ferrari verheerend gestartet: Dreimal ohne Zähler, dann zweimal mit kümmerlichen dreien – sechs WM-Punkte nach fünf Rennen, ein Debakel mit historischem Ausmaß.

Technisch dem enteilenden Brawn-Team lange Zeit dramatisch unterlegen hat es in der Saison 2009 nur zu einem Sieg gereicht und zu Platz vier in der Gesamtwertung der Formel 1-Teams. Für Ferrari ist das eine mittelschwere Katastrophe gewesen. Am Ende lag sogar der Erzrivale McLaren-Mercedes noch vor Ferrari. Massas Verletzung hatte zudem etwas in Gang gesetzt, das im Laufe der Monate eine ganz eigene Dynamik entfalten konnte: das Comeback von Michael Schumacher. Eigentlich hätte Schumacher Massa im Sommer ersetzen solle – und auch wollen. Daraus wurde nichts, aus gesundheitlichen Gründen hatte Schumacher den Rückzug vom Comeback verkünden müssen.

Doch die hochschlagenden Wellen, die das mögliche Comeback der Formel 1-Legende, die vor allem mit Ferrari für einen atemberaubenden Siegesrausch gesorgt hatte, befeuerten eine Entwicklung, die schließlich zum tatsächlichen Comeback von Michael Schumacher geführt hat – NICHT bei Ferrari! Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, denn in der Saison 2010 fährt der langjährige Ferrari-Heroe für die Konkurrenz, namentlich für das neu gegründete Mercedes Team. Ausgerechnet! Und damit nicht genug: Ferrari hat nach den Misserfolgen und der nach Schumachers Abgang schwelenden Unzufriedenheit auch Personal gewechselt. Kimi Räikkönen geht, Fernando Alonso kommt.

Ausgerechnet Alonso, der 2006 und 2006 den WM-Titel in der Formel 1 gegen Schumacher und Ferrari gewinnen konnte soll der Scuderia 2010 gegen Schumacher und Mercedes wieder zum Titel verhelfen. Hollywood hätte es nicht besser kreieren können.



Die Geschichte

Was wäre die Formel 1 ohne Legenden wie Ferrari. Rein von der Statistik betrachtet ist der Rennstall der mit Abstand erfolgreichste der Formel 1-Historie, die vergangene Saison hat diesen Platz noch gestärkt: 15 Titel in der Konstrukteurs-WM, ein deutlicher Vorsprung vor der Nummer zwei mit neun Punkten, sagt bereits viel, doch nicht alles. Denn auch der Primus hat Leidensphasen durchlaufen, die sich aus den reinen Zahlen nicht ablesen lassen.

Bei Formel 1-Rennen ist Ferrari seit dem Beginn im Jahre 1950 ununterbrochen dabei – nicht jedoch bei jedem Rennen. In der Mitte der Saison 1973 pausierte das Team – wegen krasser Erfolglosigkeit. Für das Team, das in der ersten Hälfte der 1960er Jahre bereits einige Konstrukteurs-Titel erringen konnte, war das ein heftiger Rückschlag, zumal auch in den 50er Jahren die Fahrer-Wertung von Ferrari glänzend bestritten worden war.

Doch die zweite Hälfte der 1970er Jahre brachten wieder Erfolge, sowohl hinsichtlich der Konstrukteurs- wie auch Fahrer-Wertung. Die eigentliche Durststrecke begann 1983, denn danach dauerte es 16 lange Jahre, bis das traditionsreiche Team wieder den Konstrukteurs-Titel einheimsen konnte. Im gleichen Jahr wurde auch der Fahrer, Michael Schumacher, erster im Rennspektakel und beendete auch auf diesem Gebiet die Durststrecke von 20 Jahren.

Die Bedeutung der Verpflichtung Michael Schumachers wird deutlich, wenn man sich vor Augen hält, dass er 72 von 195 Grand Prix-Siegen für Ferrari errungen hat. Die Gegenwart ist geprägt vom Versuch des Teams, den Übergang in die Nach-Schumacher-Ära zu vollziehen. Durch den Doppel-Sieg im Jahr 2007 haben sich die Voraussetzungen für eine fortgesetzte Dominanz des italienischen Rennstalls verbessert. Doch die nachfolgende und vor allem die Formel 1-Saison 2009 haben gezeigt, dass dies nur eine Hoffnung gewesen ist. Die hochgesteckten Ziele wurden allesamt verfehlt.



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