In einem wichtigen Punkt haben wir uns bei der Fahrervorstellung der Formel 1-Saison 2009 geirrt: Lewis Hamilton, so meinten wir seinerzeit, werde mit dem WM-Titel in der Tasche voraussichtlich leichter fahren können. Die Last des aus eigenem Unvermögen verpatzten Titels im Formel 1-Jahr 2007 war durch den Herzschlag-Triumph 2009 von den Schultern des jungen Briten genommen worden.
Diese Meinung darf man ruhig vertreten – doch das alles hilft nichts, wenn das Auto nicht konkurrenzfähig ist. Und so war die Formel 1-Saison 2009, in dem Jahr, in dem das Formel 1-Auto von Lewis Hamilton die Nummer 1 tragen durfte, ein Leidensweg.
Gegen Brawn GP und die Renner aus dem Hause Red Bull hatten die Silberpfeile keine Chance, anfangs waren auch die Gefährte aus anderen Rennställen wie Toyota und Williams konkurrenzfähiger.
Der amtierende Formel 1-Weltmeister musste in der Saison eins nach dem Titel hinterherfahren. In dieser Situation hat Lewis Hamilton bewiesen, dass er über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt. Abgeschlagen, nicht konkurrenzfähig hat der Weltmeister trotzdem alles gegeben – und ist schließlich belohnt worden. Zwei Siege, ein zweiter und zwei dritte Plätze in den letzten acht Rennen der Saison waren eine sehr gute Beute. Mit 40 Punkten aus diesen Rennen lag Hamilton vorn, Sebastian Vettel kam auf 36 und der spätere Formel 1-Weltmeister Jenson Button kam gar nur auf 26 Zähler!
Hamilton hat nach einem gruseligen Start und einer düsteren ersten Hälfte der Formel 1-Saison 2009 gezeigt, dass mit ihm zu rechnen ist. Der Hype, der seine erste Formel 1-Saison begleitet hat, ist im Nachhinein als durchaus berechtigt bestätigt worden. Lewis Hamilton zählt ganz klar zu den Top-Favoriten auf den Titel in der Formel 1-Saison 2010.
Im zarten Alter von acht Jahren begann Hamilton Kart zu fahren und machte sich durch den Gewinn zahlreicher Rennen und Meisterschaften einen Namen. 1996 sollte eine schicksalhafte Begegnung folgen: Der junge Hamilton bat McLaren-Teamchef Ron um ein Autogramm und fragte, ob er nicht für McLaren fahren dürfe. Dennis gab das Autogramm inklusive Telefonnummer und dem Auftrag, sich in neun Jahren wieder zu melden.
Elf Jahre später ist der ehemalige Autogrammjäger mit mächtigem Ehrgeiz tatsächlich für McLaren engagiert worden. Als Zwischenstationen zählen die Junior Formular, sowie die Formel-3-Euroserie. 2006 konnte Hamilton die Formel GP2 (ehemals Formel 3000) für sich entscheiden wenige Tage nach dem Triumph folgten erste Fahrten für McLaren-Mercedes.
Hamilton ist der jüngste Formel 1-Weltmeister, er hat in 52 Rennen elfmal gewonnen und 27 Mal das Podium erreicht, was eine großartige Quote darstellt.
Der britische Rennfahrer Jenson Button ist ein von Zweifeln umwölkter Titelträger in der Formel 1. Das haben die Reaktionen auf seinen WM-Titel in der Formel 1-Saison 2009 schon gezeigt, als der Fahrer in den ersten sieben Rennen sämtliche sechs Grand-Prix-Siege der Saison einfuhr und danach nur noch einmal auf einen zweiten Platz kam. Gerade der Leistungsabfall in der zweiten Saisonhälfte bildete den Ansatzpunkt für zum Teil hämische Kritik an Button, der von einigen Experten als unrühmlicher Weltmeister gesehen wird – und bei vielen nicht auf der Liste der möglichen Weltmeister der Formel 1-Saison 2010 auftaucht.
Immerhin: Button hat in nur einem einzigen Rennen keine Punkte geholt und erwies sich so als ein Fahrer mit hoher Konstanz. Trotzdem sind die Erwartungen an den Weltmeister gering, viele halten von Hamilton, Vettel, Alonso und Michael Schumacher mehr.
Der Wechsel nach der erfolgreichen Formel 1-Saison 2009 zum gewandelten Vodafone McLaren-Mercedes-Team an die Seite von Lewis Hamilton wird von vielen folgerichtig als schwerer Fehler betrachtet. Button hatte sich nicht mit Brawn einigen können, warum auch immer. Jedenfalls sehen viele Experten Button gegenüber Hamilton als unterlegen an – was man angesichts des Saisonverlaufs 2009 durchaus vertreten kann.
Vor der Formel 1-Saison 2009 stand Jenson Button am Scheideweg seiner Karriere, der ihn überraschend ganz nach oben katapultierte. Man muss Button eines zugute halten: Auch in einem überragenden Auto muss man erst einmal sechs Rennen gewinnen. Und das ist ihm gelungen, außerdem hat er seinen Saisonrekord aus dem Jahr 2004 mit 85 WM-Punkten übertreffen können.
Jenson Button hat bereits eine bewegte Formel 1-Karriere hinter sich: Für die Teams Williams, Benetton, Renault, BAR, Honda und jetzt Brawn GP Formula One ist er schon tätig gewesen. Im Gegensatz zu Fahrern wie Michael Schumacher, der über Jahre hinweg bei einem einzigen Team (Ferrari) tätig gewesen ist, wirkt das unstet und ist vielleicht ein Grund dafür, dass Button der große Erfolg bislang verwehrt worden ist.
Und tatsächlich lassen sich Indizien finden, die dafür sprechen, dass es keineswegs die fahrerische Qualität des Briten ist, die ihm bislang höhere Weihen vorenthalten hat. Gleich zweimal ist er „abgeschoben“ worden, zunächst von Williams zu Benetton, weil Williams unbedingt Juan Pablo Montoya hinter das Steuer des Boliden haben wollte. Zum zweiten Mal geschah das bei Renault – hier verdrängte ihn Fernando Alonso.
So könnte es durchaus sein, dass Button mit einem konkurrenzfähigen Auto in der Lage sein sollte, die bislang erzielten Erfolge auszubauen. In der Formel 1-Statistik stehen 170 Rennen, sieben Siege und 24 Podiumsplätze, darüber hinaus 327 WM-Punkte.
Nach dem Rücktritt von Teamchef Ron Dennis hat Martin Whitmarsh den Posten des Teamchefs übernommen. Whitmarsh ist seit 1989 bei McLaren, er hat dort mit Ron Dennis zusammengearbeitet. Ob der Wechsel sich als positiv erweist, muss sich natürlich im Verlauf der Saison 2010 erst erweisen.
| Fahrer | Pkt. | |
|---|---|---|
| 1 | L. Hamilton | 182 |
| 2 | M. Webber | 179 |
| 3 | S. Vettel | 151 |
| 4 | J. Button | 147 |
| 5 | F. Alonso | 141 |
| 6 | F. Massa | 109 |
| 7 | R. Kubica | 104 |
| 8 | N. Rosberg | 102 |
| 9 | A.Sutil | 45 |
| 10 | M. Schumacher | 44 |
| Team | Pkt. | |
|---|---|---|
| 1 | Red Bull Racing | 330 |
| 2 | McLaren | 329 |
| 3 | Ferrari | 250 |
| 4 | Mercedes GP | 146 |
| 5 | Renault | 123 |
| 6 | Force India | 57 |
| 7 | Williams | 40 |
| 8 | BMW Sauber | 27 |
| 9 | Toro Rosso | 11 |
| 10 | Hispania Racing | - |
| 11 | Virgin Racing | - |
| 12 | Lotus F1 | - |