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Team-Portrait: Vodafone-McLaren-Mercedes
Der Dritte der Formel 1-Saison 2009, McLaren-Mercedes, hat sein Gesicht vor Beginn der neuen Formel 1-Saison 2010 gründlich geändert. Einmal ist Mercedes zwar noch im Namen und unter dem Chassis in Gestalt des Motors vertreten, doch das war es dann auch schon. Der Autokonzern hat sich defacto aus dem McLaren-Team zurückgezogen, liefert aber noch für einige Zeit die Motoren.
Zum zweiten hat es einen Fahrerwechsel gegeben, was für sich genommen alles andere als eine Sensation ist. Fahrerwechsel sind in der Formel 1 eher die Regel als die Ausnahme; die relative Zurückhaltung vor der Formel 1-Saison 2009 war insofern eine ungewöhnliche Kontinuität.
Außerdem hatten es die Spatzen von den Dächern gepfiffen, dass der finnische Fahrer Heikki Kovalainen nicht das gebracht hat, was man von ihm erwartet. Gegenüber seinem Partner Lewis Hamilton hatte Kovalainen in der Formel 1-Saison 2009 schmale 22 WM-Punkte errungen, von einem Sie oder Podium ganz zu schweigen.
Hamilton kam auf 49 Zähler, für einen Weltmeister nicht sonderlich viel, aber: Das Team hatte erst in der zweiten Saisonhälfte die Möglichkeit, sich zu beweisen – vorher war der technische Rückstand zu groß. Dann siegte Hamilton zweimal und errang einen zweiten Platz.
Um in der Konstrukteursweltmeisterschaft siegen zu können, bedarf es zweier Fahrer, die ganz vorn mitfahren können. Kovalainen konnte nicht, Hamilton brauchte also einen anderen Kollegen. Da ist das neu formierte Team McLaren auf den amtierenden Weltmeister Jenson Button gekommen, der auch Brite ist. Der Hauptsponsor kommt ebenfalls von der Insel, Vodafone, und so ist das Formel 1-Team Vodafone McLaren-Mercedes ein sehr britisches – mit deutschem Motor.
Das ist ein tiefgreifender Wandel für das Team, das erst in der Saison 2008 einen Jahre währende Durststrecke beenden konnte und wieder einen Formel 1-Titel errungen hatte. Einen halben, um genau zu sein, denn nur in der Fahrerwertung hatte Hamilton knapp vor Felipe Massa gesiegt, während die Formel 1-Krone der Konstrukteure an Ferrari ging. Auch damals hatte man sich schon über Heikki Kovalainen Gedanken gemacht, es aber aus Kontinuitätsgründen beim Finnen belassen.
Jetzt tritt der Formel 1-Rennstall in eine völlig neue Phase: Ex-Weltmeister und Weltmeister in einem Team. Das könnte auch in einem Debakel enden. Die Frage der Team-Hierarchie wird sich voraussichtlich irgendwann stellen und ob sich Button oder Hamilton mit Rang zwei teamintern begnügen würden?
Davon ist nicht auszugehen, schlimmstenfalls droht ein ähnlicher Rosenkrieg zwischen Hamilton und Button wie zwischen Alonso und Button in der Saison 2007. Umgekehrt ist McLaren-Mercedes mit der Fahrerpaarung so stark besetzt, dass man durchaus als einer der ganz heißen Favoriten für die WM-Krone in der Konstrukteurswertung zu gelten hat. Vorausgesetzt, Button und Hamilton erhalten ein konkurrenzfähiges Auto. Daran haperte es bekanntlich in der verkorksten Formel 1-Saison 2009.
Geschichte
Das Debüt feierte McLaren als Formel 1-Team im Jahre 1966, jedoch musste das Team bis 1973 warten, ehe der erste Grand-Prix-Sieg eingefahren werden konnte. Ein Jahr später klappte es auch mit dem Weltmeistertitel (Emerson Fittipaldi), den James Hunt 1976 erneut erringen konnte.
Die Hochzeit des Teams ist allerdings in den 1980er Jahren gewesen, nachdem der Einstieg von Ron Dennis und die Fusion mit seinem Project 4 die Grundlage für einen Siegeszug legte. Mit Porsche im Boot konnte 1982 bis 1986 die Fahrer-WM gewonnen werden, Niki Lauda und Alain Prost steuerten die Boliden.
Mit den überlegenen Honda-Motoren gelang 1988 bis 1991 wieder eine Siegesserie, nicht nur die Fahrer (Aryton Senna und Alain Prost) siegten, auch die Konstrukteurs-WM wurde errungen. Doch das Abo auf Sieg lief 1992 aus, nicht zuletzt weil es nach dem Ausstieg von Honda aus dem Formel 1-Geschäft an einem konkurrenzfähigen Motor fehlte.
1995 ist Mercedes eingestiegen, eine spezielle Farbgestaltung der Fahrzeuge belebte den Mythos der legendären Silberpfeile wieder.
1998 und 1999 gewann Mika Häkkinen für McLaren-Mercedes die WM, 1998 errang das Team zudem den Titel der Konstrukteure. Die nachfolgende Durststrecke wäre fast 2003 schon beendet worden, doch für Kimi Raikkönen reichte es nur zur Vizeweltmeisterschaft.
Mit dem Engagement von Fernando Alonso wollte McLaren-Mercedes das Comeback als Weltmeister regelrecht erzwingen, am Ende der Saison 2007 stand allerdings ein doppeltes Fiasko: Aus fast uneinholbarer Position hat Ferrari dem Rennstall beide WM-Kronen abnehmen können, eine am grünen Tisch, die andere auf der Rennstrecke.
Das Jahr 2008 hat für McLaren-Mercedes allerdings eine Wende gebracht: Erstmals seit 1999 hat der Rennstall einen Titel erringen können, vor allem auf Lewis Hamilton ruhen die Hoffnungen für die Zukunft. Daran ändert auch die verkorkste Formel 1-Saison 2009 nichts, im Gegenteil: Hamiltons großartige Leistung in den letzten acht der siebzehn Rennen unterstreicht das Talent und seine Aussichten.
In der Statistik kommt McLaren-Mercedes auf zwölf Titel bei den Fahrern, acht bei den Konstrukteuren und 164 GP-Siege.
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