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Volvo lenkt das Limit - Ein Vergleichstest der besonderen Art

21.09.2020
Volvo lenkt das Limit - Ein Vergleichstest der besonderen Art

mid Köln - Eine Versuchsanordnung der besonderen Art. Links der auf 180 km/h abgeregelte Volvo XC60, rechts lockt freie Fahrt. Foto: Volvo
Volvo greift einem gesetzlich verordneten Tempolimit in Deutschland vor. Kein seit Juni 2020 neu produziertes Modell der Schweden wird mehr schneller als 180 km/h fahren können. Doch wieviel Fahrspaß kostet das und um wieviel schneller ist man eigentlich ohne ein Tempolimit am Ziel? Und wie sieht es mit Stress und Verbrauch aus? Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat an einem von Volvo Car Deutschland durchgeführten außergewöhnlichen Vergleichstest teilgenommen.

Sechs Teams treten in zwei baugleichen Volvo XC60 B5 AWD mit Diesel-Mild-Hybrid-Technik gegeneinander an. Allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Ein Fahrzeug ist auf 180 km/h limitiert, das andere darf noch bis zu 220 km/h in der Spitze unterwegs sein. Die Teststrecke ab Köln und wieder zurück ist 458 Kilometer lang, davon 445 auf der Autobahn. Bevor es auf die Strecke geht, hat der Kölner Internist Dr. Ulf T. Esser den Probanden Blut abnehmen und hochmoderne Langzeit-EKG-Geräte der dänischen Firma Cortrium anlegen lassen, die Herzfrequenz und Pulsschlag messen.

Dieses Mal geht es für Solveig Grewe vom Motor-Informations-Dienst (mid) nicht darum, die Autos auf Fahreigenschaften, Komfort, Materialverarbeitung und Konnektivität zu testen, sondern das persönliche Stresslevel sowie Fahrtzeiten und Verbräuche der Fahrzeuge sind die Themen. Solveig ist in ihrem Volvo XC60 mit einer ausgewiesenen Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h gehalten, sooft es der Verkehr zulässt, auf die Tube zu drücken. Ihre Teamkollegin Sabine Schömig hingegen hat den Part des "entspannten" Fahrens übernommen, wobei auch sie die Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h ausreizt, wo immer es möglich ist. Zurück in Köln hat der mid die Fahrerinnen nach ihren Eindrücken befragt:Verraten Sie uns, welches Ergebnis diese Testfahrt gebracht hat?Solveig: "Tatsächlich konnte ich nur ganze fünf Mal auf freier Strecke für kurze Zeit die Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h halten. Die im Schnitt wenigen Minuten Zeitersparnis - zwei Teams erreichten das Ziel sogar zeitgleich - waren teuer erkauft: In der Spitze belief sich der Mehrverbrauch auf 10,21 Liter Diesel, im Schnitt brauchten die nicht abgesicherten Fahrzeuge 5,22 Liter mehr als die abgesicherten, aber kaum langsameren Fahrzeuge." Sabine: "Es ist erstaunlich, für eine Strecke von gut 450 Kilometern hat Solveig bei - so oft es eben ging - voller Power 3:48 Stunden gebraucht, ich war mit 3:53 Stunden nur fünf Minuten langsamer! Für diesen Zeitvorteil hat Solveig am Ende an der Zapfsäule 5,21 Liter mehr Diesel tanken müssen als ich und fast sechs Euro mehr bezahlt.

Gab es während der Fahrt bemerkenswerte Ereignisse?Solveig: "Die eigentlich erwünschte ungestörte Fahrt auf der linken Spur bei durchgedrücktem Gaspedal ist auf deutschen Autobahnen selbst ohne Tempolimit eine Illusion. Besonders einprägsam war die Vollbremsung wegen eines auf die Autobahn auffahrenden Fahrzeugs, was sofort auf die ganz linke Spur mit etwa 80 km/h herüberzog. Zum Schreck über diese Fahrweise gesellte sich der Ärger - entspanntes schnelles Fahren sieht anders aus." Sabine: "Abgesehen von einigen riskanten Aktionen anderer Verkehrsteilnehmer blieb meine Fahrt recht ruhig. Ich hatte, wo immer es Sinn machte, das ACC auf Tempo 180 aktiviert und war sehr dankbar für die zusätzliche zuverlässige Bremsassistenz. So empfand ich kaum Stress. Wie hat sich die Fahrt auf Ihre medizinischen Daten ausgewirkt?Solveig: "Eigentlich würde ich mich als routinierte Fahrerin bezeichnen. Zu denken gibt mir aber, dass die gemessenen Ausschläge bei der Pulsfrequenz, auch wenn sie gering waren, erkennbar in direktem Zusammenhang mit abrupten Bremsmanövern und riskanten Ausweichaktionen zu sehen sind. Der Blick auf die Auswertung aller Teilnehmer der Vergleichsfahrten zeigt, dass auch die Stresshormone teilweise zunahmen. Wie stark müssen wohl die Auswirkungen auf Menschen sein, die weniger routiniert unterwegs sind?"Sabine: "Dr. Esser hat mir hinterher bescheinigt, dass es kaum nennenswerte Ausschläge in meiner aufgezeichneten Herzfrequenz-Kurve gab. Vereinzelt sind wohl Phasen von erhöhtem Puls aufgetreten, aber das sei alles im Bereich des Normalen geblieben. Auch die Stresshormone stiegen während der Fahrt nicht an." Fühlen Sie sich bevormundet, wenn ein Autohersteller die Höchstgeschwindigkeit seiner Modelle begrenzt?Solveig: "Zunächst einmal: Es wird niemand gezwungen, einen tempolimitierten Volvo zu kaufen. Aber der Vergleichstest zeigt ziemlich eindeutig, dass Geschwindigkeiten jenseits von Tempo 180 km/h mit mehr Stress und kaum Zeitersparnis einhergehen. Folgt man der Vernunft, spricht eigentlich schon deswegen viel für eine Absicherung der Geschwindigkeit. Angenehmer Nebeneffekt: Der Verschleiß der Fahrzeuge hält sich in Grenzen, die Unterhaltkosten reduzieren sich". Sabine: "Ich denke, Volvo ist auf diesem Gebiet ein Pionier. Je mehr Autos rein elektrisch unterwegs sein werden, desto mehr wird sich die Durchschnittsgeschwindigkeit reduzieren - denn die bedingt nun mal auch die Reichweite. Auch das automatisierte Fahren wird das mit sich bringen. Und 180 km/h ist nebenbei bemerkt, kein niedriges Tempo. Da kann ich durchaus Fahrspaß haben, wenn ich möchte". Solveig Grewe / midTechnische Daten Volvo XC60 B5 Diesel AWD- Länge / Breite / Höhe: 4,68 / 1,90 / 1,66 Meter- Motor: Vierzylinder- Hubraum: 1.969 ccm- Leistung: 173 kW / 235 PS- Max. Drehmoment: 480 Nm- Getriebe: Achtgang-Automatik - Beschleunigung: 0 - 100 km/h in 7,1 sec.- Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h (nicht eingebremst)- Normverbrauch (WLTP): 5,5 l/100 km- CO2-Emissionen: 144 g/km- Preis: ab 56.635 Euro


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