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Ford-Strategie: Elektrizität trifft auf Freiheit und Abenteuer

20.05.2022
Ford-Strategie: Elektrizität trifft auf Freiheit und Abenteuer

mid Fürstenfeldbruck - Die Elektromobilität erobert auch das Nutzfahrzeug: Der Ford E-Transit fährt mit Batteriekraft. Foto: Ford
Der Umbau des Modellprogramms bei Ford nimmt Fahrt auf. Ziel ist die Elektrifizierung aller Pkw-Modelle und zwei Drittel der Nutzfahrzeuge bis 2030. Bei den Personenwagen sollen die Ford-Kunden das urtypische amerikanische Gefühl von Freiheit und Abenteuer spüren.

Kontrastreicher könnte die Präsentation auf der jüngsten Ford-Roadshow nicht sein. Denn der einzige US-Autohersteller, der es in Europa noch auf ernstzunehmende Stückzahlen bringt, verkündet nicht nur die komplette Elektrifizierung aller Pkw-Modelle und einen Großteil der Nutzfahrzeuge bis 2030, sondern beruft sich bei der Mobilität auf das amerikanische Wahrnehmen von Freiheit und Abenteuer, das auf die Pkw-Kunden überspringen soll.

Und ganz nebenbei krempelt Ford die Sparte der leichten Nutzfahrzeuge um, in der sich das Unternehmen seit sieben Jahren als die Nummer Eins in Europa präsentiert. Unter dem Begriff Ford Pro soll der Nutzfahrzeugkunde so umsorgt werden, dass er sich quasi nicht mehr selbst um den Fahrzeugwechsel, den Service, die Finanzierung, das Laden und nötige Software kümmern muss.

Der aktuelle Spannungsbogen kann nicht besser dokumentiert werden, als durch einen abgedrehten "Vergleich" zwischen zwei aktuellen Ford-Modellen. Beide stehen für eine Zukunftsvision, bei der es nicht nur um Umwelt-Aspekte geht. Ein Modell repräsentiert die Elektrifizierung, das andere den Geist von Freiheit und Abenteuer, der auf jeden Fall gerettet werden soll: der vollelektrische E-Transit Kastenwagen und der Mustang Mach 1 mit 5,0-Liter-Verbrennungsmotor.

Schon beim Preis liegt das ungleiche Duo meilenweit auseinander: Laut Liste ist der Mustang V8 ab gut 54.000 Euro zu haben, während der E-Transit erst bei rund 66.500 Euro startet. Die beiden gut ausgestatteten Testwagen kamen schließlich auf 63.800 beziehungsweise 81.000 Euro. Große Unterschiede auch beim akustischen Auftritt: unverbindlich summend der E-Transit, auffallend mitteilsam der Mustang.

Was sind die Stärken des Nutzfahrzeuges? Der von uns gefahrene E-Transit L3H2 350 mit 135 kW oder 184 PS weist laut Datenblatt eine Reichweite (WLTP) von knapp über 250 Kilometer aus. Das macht ihn keineswegs zum Schnelltransporter für die Autobahn, passt aber haargenau in den Aufgabenbereich sehr vieler Kleinlaster dieser Art: die Zustellung von Gütern im Nahbereich. Das bedeutet: eine spürbare Umwelt-Entlastung in Ortschaften und Wohngebieten bei der Unzahl von Lieferdiensten.

Mit einer Länge von 5,98 und einer Breite von 2,47 Metren (inklusive der wuchtigen Außenspiegel) bietet er genügend Frachtraum für das Ladegut ohne im engen Stadtverkehr hilflos steckenzubleiben. Da der rückwärtige Verkehr via Kamera in das Gehäuse des "Innenspiegels" übertragen wird, geht der Überblick für den Fahrer selbst dann nicht verloren, wenn der Durchblick auf konventionellem Weg nicht möglich ist.

Die nutzbare Kapazität der Batterie ist mit 68 kWh angegeben. An einer Gleichstrom-Ladestation sollen bei einer Restladung von 15 Prozent nach 35 Minuten wieder 80 Prozent vorhanden sein. An einer 230 Volt Wechselstrom-Haushaltsdose müssen bei entleerter Batterie bis zum Vollwerden dagegen 8,2 Stunden eingeplant werden. Die Beschleunigung des Zweieinhalbtonners, der in der Türkei vom Band läuft, ist gemessen an elektrisch betriebenen Personenwagen weniger beeindruckend, aber auch weit davon entfernt, mit der Dynamik einer Wanderdüne verglichen zu werden. Wer sich trotzdem mehr Agilität wünscht, kann schließlich zum stärkeren E-Transit greifen, der mit 198 kW beziehungsweise 269 PS angegeben ist.

Sorgen um die Beschleunigung muss man sich im muskulösen Mustang mit 460 PS auf keinen Fall machen. Er liefert jederzeit genug Dampf, selbst wenn man in der erhältlichen Version mit Handschaltung nicht den ganz exakt passenden Gang eingelegt hat. Der Schalthebelknauf, der in Form und Größe einer Billardkugel angeglichen ist, lädt allerdings stets zum knochig wirkenden Schalten zwischen den sechs Gängen ein.

Wer es im vollgetankten Mustang richtig krachen lässt, muss jedoch damit rechnen, dass sich dieser Bolide der Reichweite des Elektro-Transit angleicht. Der einzige Trost: Der Aufenthalt an der Tankstelle ist nach wenigen Minuten erledigt.

Inwiefern ist der Mustang mit Verbrennungsmotor, dessen Wurzeln in die 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurückreichen und dessen restlichen Jahre gezählt sind, eine Blaupause für künftige E-Autos von Ford? Der geschäftsführende Direktor für Ford Deutschland, Österreich und die Schweiz, Dr. Christian Weingärtner erklärt es auf seine Weise.

Das Markenzeichen für das Automobile amerikanische Statement von Freiheit und Abenteuer seien schon immer üppige Leistung und mächtiger Auftritt gewesen. Dafür ist der Benzin-Mustang das Ikonenhafte Symbol schlechthin. Insofern will Ford seine künftigen elektrischen Personenwagen - egal ob Limousine, SUV oder Pick-up - immer auf breite, stämmige Fahrwerke stellen, mit angemessener "Power" ausstatten und auch bei der Reichweite nicht zu knapp denken. Geträumte Freiheit und die ständige Angst vor einer leeren Batterie passen eben nicht so recht zueinander.

Wie Weingärtner ausführt, ist es genau diese Philosophie, mit der Ford mehr Kunden begeistern könne, als wenn man einfach versuchen würde, mit den Wesenszügen der Produkte aus dem VW-Konzern oder von Audi, BMW und Mercedes zu konkurrieren. Insofern hat der Ford Manager ein gutes Gefühl, wenn er für 2023 das erste elektrische Volumenmodell mit 500 Kilometern Reichweite ankündigt, das in Köln vom Band laufen soll. Es wird ein fünfsitziges mittelgroßes Crossover-Fahrzeug sein, über das im Laufe dieses Jahres noch detailliertere Informationen nach außen dringen sollen. Klaus Brieter / mid


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