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Max Verstappen und Lewis Hamilton: Verhärtete Fronten

30.07.2021
Max Verstappen und Lewis Hamilton: Verhärtete Fronten

mid Groß-Gerau - Hartes Duell: Lewis Hamilton (vorne) und Max Verstappen. Foto: Daimler
Es gibt Momente, die das Verhältnis zwischen zwei Fahrern grundlegend verändern können. Ein kleiner Funke reicht, und es knallt. Und wenn es dann knallt, dann raucht es nicht, dann brennt es lichterloh. Das hat in der Formel 1 Tradition, so war es zum Beispiel bei Nigel Mansell und Nelson Piquet. Bei Ayrton Senna und Alain Prost. Oder aber bei Michael Schumacher und Damon Hill oder Jacques Villeneuve. Ab einem gewissen Punkt setzt im Titelkampf der Verstand aus, das Ego gewinnt Oberhand, der Respekt geht flöten und der Hass fährt mit. Eine extrem brisante Mischung, welche die ganze Tonart eines Titelkampfs von jetzt auf gleich verschärfen kann.

Deshalb ist klar: Auch das Duell zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton 2021 hat das Zeug, in die Geschichte der Motorsport-Königsklasse einzugehen. Als Duell der Generationen, siebenmaliger Weltmeister gegen Herausforderer, Routinier gegen Emporkömmling, Platzhirsch gegen Hitzkopf hat es sowieso schon Potenzial für jede Menge Geschichten. Jetzt kommt auch noch der Titel-Faktor dazu.

Denn das ist die wichtigste Zutat: Beide können in dieser Saison auf Augenhöhe fahren. Lange hat Mercedes die Formel 1 nach Belieben dominiert, Verstappen kennt es als aktiver Fahrer gar nicht anders, er feierte sein Debüt 2015, als Lewis Hamilton zum zweiten Mal in Folge mit Mercedes den Titel holte.

Verstappen hat jetzt ein ähnlich starkes Auto wie Hamilton, wenn nicht sogar ein besseres. Und nun geht es zwischen den beiden um den Titel, nun geht es darum, wer der Bessere ist, es geht dabei natürlich auch um die Wachablösung bei den Teams, alle sind am Limit. Heißt: Der Druck steigt, womit die Psyche in den Vordergrund rückt, denn Rennsport ist vor allem auch Kopfsache. Und das bedeutet: Wer zurückzieht, verliert, auch wenn es nur eine Szene, nur ein Moment ist. Was wiederum der Grund für den Zusammenstoß beim vergangenen Rennen in Silverstone ist. Es war dieser Moment, der sich durch einige enge Zweikämpfe in diesem Jahr mehr oder weniger angekündigt hat.

Es war die erste von 52 Runden, als es knallte. Als keiner klein beigeben wollte, Hamilton mit seinem linken Vorderrad Verstappens rechtes Hinterrad berührte und den Niederländer in der Highspeed-Kurve "Copse" bei 290 km/ in die Streckenbegrenzung schoss. 51g, das 51fache des eigenen Körpergewichts, wirkte dabei auf den 22-Jährigen ein. Während Verstappen im Krankenhaus untersucht (und später entlassen) wurde, fuhr Hamilton zum Sieg und ließ sich von den 140.000 Fans feiern. Von der gegen ihn verhängten Zehnsekunden-Strafe wegen des Crashs ließ er sich nicht aufhalten. Womit er den Rückstand auf Verstappen nach zehn von 23 Rennen auf acht Punkte verkürzt hat.

Und wie das so ist bei Spannungen, die sich über Monate aufbauen, entlud sich alles in Rekordzeit in alle erdenklichen Richtungen. Die Emotionen kochten nicht nur hoch, sie kochten über. Ein Verhältnis, das zuvor von gegenseitigem Respekt geprägt war, droht jetzt aus den Fugen zu geraten. Mindestens aber setzt der Crash die Tonalität der kommenden Wochen. Ein Thema war die Strafe: Unfälle in der Formel 1 werden gerne so kontrovers diskutiert wie Handspiele im Fußball. Hamilton war bei dem Crash "überwiegend schuldig. Man hat ihn nicht als Alleinschuldigen gesehen. Aber als überwiegend schuldig, weil er sich weiter innen hätte halten können", sagte Rennleiter Michael Masi. Die zweitmildeste der breiten Strafenpalette gab es, weil die Sportkommissare das Vergehen für sich bewerten und nicht die Folgen des Unfalls. Red Bull legte Protest ein, will eine härtere Strafe. Vor dem elften Saisonrennen in Ungarn an diesem Wochenende wurde sich die Strafzumessung neu angeschaut, der Einspruch aber mangels neuer Beweise abgelehnt. Die Stimmung zwischen den beiden Teams ist am Tiefpunkt angelangt.

Außerdem ging es zwischen Hamilton und Verstappen weiter. Klar ist: Die Fronten sind auch mit dem Abstand von eineinhalb Wochen komplett verhärtet. Verstappen bezeichnete die Siegesfeiern Hamilton weiter als respektlos und meinte, das zeige, "wie sie wirklich sind". Außerdem betonte er, Hamilton habe sich schlicht verschätzt. Der Brite hingegen sagte, er würde an dem Manöver auch im Nachhinein nichts ändern.

Fakt ist: Solch ein intensiver Streit auf und abseits der Strecke hatte schon in der Vergangenheit das Potenzial, Männer-Freundschaften zu zerstören. Hamilton kennt das: Das Duell mit seinem Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg zwischen 2013 und 2016 hat dazu geführt, dass sich die beiden einstigen Jugendfreunde heute nichts mehr zu sagen haben. Auch dieser Zweikampf ist in die Geschichte eingegangen.

Kann es jetzt zu Situationen kommen wie bei Prost und Senna? Mercedes-Teamchef Toto Wolff: "Ich bin bereit dafür. Let's go for this". Der Startschuss dürfte in Silverstone tatsächlich bereits gefallen sein. Denn das war einer dieser Momente, die das Verhältnis zwischen zwei Fahrern grundlegend verändern können.

Andreas Reiners / mid


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