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Pariser Salon 2006: Neue asiatische Akzente

17.09.2006
In der europäischen Kompaktklasse herrscht Aufruhr. Die asiatischen Automobilhersteller blasen mit ihren Neuheiten des Pariser Automobilsalons (30. September bis 15. Oktober) zum Angriff auf die etablierten deutschen und europäischen Marken. Japaner und Koreaner wollen die Europäer nicht mehr nur über ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis in Bedrängnis bringen, sondern auch beim Design neue Akzente setzen.

Schon allein weil der neue Kia Cee'd, der Nissan Qashqai oder der noch namenlose Nachfolger des Hyundai Elantra in Europa entworfen und entwickelt wurden, und auch hier von den Produktionsbändern laufen, sind sie viel näher am anspruchsvollen europäischen Geschmack als die brav-biederen Vorgänger Kia Cerato oder Nissan Almera. Rund 100 000 Einheiten will beispielsweise Nissan vom Qashqai, einem neuartigen Mix aus SUV, Kompaktwagen und Van, in Europa verkaufen; 80 Prozent davon sollen von fremden Fabrikaten zu den Japanern überlaufen, hofft Konzernchef Carlos Ghosn und hat dabei auch europäische Hersteller im Sinn.

Auch Toyota setzt große Hoffnungen in ein neues Kompaktmodell, das nicht mehr Corolla heißen soll, sondern zum Zeichen des radikalen Neuanfangs auch einen neuen Namen bekommt. Honda hat solch einen radikalen Neustart mit dem Civic im Space-Design schon gewagt und legt nun den Dreitürer und den sportlichen GTI-Jäger Type R nach. Es versteht sich fast von selbst, dass der Corolla-Nachfolger und der Civic ebenfalls in Europa hergestellt werden.

Trotz der asiatischen Offensive kommt eine der interessantesten Neuheiten dieses Herbstes von Volvo: Der C30 soll dem erfolgreichen Beispiel des BMW 1er und des Audi A3 folgen und als sportlicher Kompaktwagen mit Premium-Anspruch neue Kundenschichten für die Marke gewinnen. Selbstbewusste Preisforderungen lassen sich auch in dieser Fahrzeugklasse durchaus durchsetzen, das haben BMW und Audi schon bewiesen.

Jenseits der Kompaktklasse werden die traditionellen Karosseriekonzepte in Paris allerdings kaum bedient. Man muss schon lange über den Salon spazieren, um eine neue Stufenheck-Limousine ausfindig zu machen. Ein neues SUV oder eine Schrägheck-Limousine in modischer Offroad-Optik stehen dagegen an jeder Ecke. Die SUVs laufen inzwischen nicht nur den herkömmlichen Limousinen und Kombis den Rang ab, sondern zunehmend auch den Vans. Sieben Sitze in einem flexiblen Raumkonzept, eine erhabene Sitzposition oberhalb des restlichen Verkehrs und einen großen Kofferraum: Das alles gibt es heutzutage auch in einem SUV, einschließlich Allradantrieb, Lifestyle-Auftritt und den damit verbundenen Hoffnungen auf bewundernde Blicke der Nachbarn.

Manche Neuheiten wie der Honda CR-V, Mitsubishi Outlander oder Land Rover Freelander erleben bereits ihre zweite oder dritte Auflage; BMW zeigt den überarbeiteten und erstarkten X3 mit einem neuen Doppelturbo-Power-Diesel. Auch Jeep will nicht mehr nur rustikale Geländewagen herstellen, sondern mit dem neuen SUV Compass auch bei den kompakten Lifestyle-Offroadern mitspielen.

Opel entert die boomende Klasse als erste deutsche Volumenmarke mit dem Antara, der baugleich zum ebenfalls neuen Chevrolet Captiva ist. Volkswagen überbrückt die Wartezeit bis zum Erscheinen des Kompakt-SUV Tiguan mit dem Cross Golf, einem mit robusten Karosserie-Anbauteilen aufgepeppten Golf Plus. Und auch Ford gibt zumindest schon einmal einen Ausblick auf ein kommendes SUV auf Focus-Basis.

Ein besonders originell gezeichneter Entwurf kommt von Ssangyong und hört auf den Namen "Actyon". Der Korando-Nachfolger mit unruhig gestalteter Front und coupéhaftem Heck beweist, mit welchem Tempo sich der koreanische Geländewagenspezialist momentan neu erfindet. Ein 2,0-Liter-Diesel sorgt für den nötigen Vortrieb des Actyon, der sich die Technik mit dem Kyron teilt. Ebenfalls am Start in der SUV-Klasse sind der Subaru B9 Tribeca und der überarbeitete VW Touareg mit neuer Front in der aktuellen Markenoptik.

Neue Mini- oder Maxivans machen sich in diesem Herbst vergleichsweise rar. Wichtigste Neuheit dürfte der C4 Picasso sein, den Citroen beim Messe-Heimspiel den beiden Raumlimousinen Xsara Picasso und C8 zur Seite stellt. Zudem werben der neu aufgelegte Kia Carens, der verlängerte Seat Altea XL, der überarbeitete Vorreiter Renault Scenic und der geliftete VW Touran um Familien. Der Wolfsburger Marktführer kann dabei mit einer Innovation aufwarten: Mit dem optionalen Parkassistenten steuert das Fahrzeug künftig selbstständig in die Parklücke, die es vorher per Ultraschall als ausreichend groß identifiziert hat.

Daneben setzt Skoda mit dem optisch und konzeptionell gelungenen Roomster einen frischen Akzent in der Klasse der geräumigen Kleinwagen. Einen preislichen Akzent setzt der Dacia Logan Kombi, der für voraussichtlich weniger als 9 000 Euro Platz für bis zu sieben Passagiere bieten soll. Und Honda macht den Sechssitzer FR-V frisch für das kommende Modelljahr. Unter der Motorhaube des innen und außen leicht überarbeiteten Kompaktvans arbeitet der 1,8-Liter-Benzinmotor mit 103 kW/140 PS, den der japanische Hersteller bereits im Civic einsetzt und der als einer der sparsamsten Ottomotoren seiner Leistungsklasse gilt.

Der Cabrio-Boom hat sich hingegen erst einmal beruhigt; die meisten Modelle sind noch zu frisch auf dem Markt, als dass schon Facelifts oder Neuauflagen anstünden. Nur der Trendsetter Peugeot 206 CC, der die Klappdach-Cabrio-Gattung populär machte, hat seine erste Modellgeneration nun hinter sich und wird im nächsten Frühjahr vom 207 CC abgelöst. Einen kaum verhohlenen Ausblick gibt die Studie 207 Epure, die mit ihrem Brennstoffzellenantrieb zugleich als Technikträger fungiert. Derweil steigt Ford mit dem bei Pininfarina gebauten Focus CC gerade erst in die Fahrzeugklasse der Blechdach-Cabrios ein.

Die Roadster-Fraktion kommt im Frühjahr 2007 ausgerechnet bei Opel auf ihre Kosten; dort steht der neue GT in den Startlöchern, ein reinrassiges Spaßmobil mit Heckantrieb, 260-PS-Turbo und Stoffdach. Der GT tritt auch gegen den Mazda MX-5 an, von dem es künftig eine CC-Variante mit Hardtop geben wird.

In den oberen Preisregionen bringt Mercedes mit den neuen CL die inzwischen siebte Luxus-Coupé-Generation. Der zweitürige Ableger der S-Klasse erstrahlt wie gewohnt als perfekte Mischung aus zeitloser Eleganz im Design, Noblesse im Interieur und hochwertiger Technik. Topmodell ist der CL 63 AMG mit einem 6,3-Liter-V8-Benziner mit 386 kW/525 PS. Zudem debütiert die S-Klasse mit dem weiterentwickelten Allradantrieb 4matic. Dabei wird die Antriebskraft in einem festen Verhältnis von 45 zu 55 zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt. Dies soll ein souveränes und berechenbares Fahrverhalten auf allen Fahrbahnoberflächen gewährleisten. Angeboten wird der permanente Vierradantrieb in Verbindung mit dem V6-Diesel im S 320 CDI sowie mit den beiden V8-Benzinern im S 450 und im S 500.

Genießer unter den Messebesuchern werden außerdem am Bentley-Stand fündig: Dort wird der offene Continental GTC gezeigt. Das Cabrio mit Stoffdach und vier Sitzen vervollständigt nach dem Coupé GT und der Limousine Flying Spur die Continental-Baureihe und kommt noch im September für 190 000 Euro auf den Markt. Ein ebenso souveräner Gleiter wie der 412 kW/560 PS starke GTC ist das neue BMW M6 Cabrio mit dem formidablen hochdrehenden Zehnzylinder-Benziner mit 373 kW/507 PS. Gegenüber dem Bentley ist der offene M6 mit 116 300 Euro fast ein Schnäppchen.

In diesen Preisklassen sind auch der Porsche 911 Targa und der Alfa 8c Competizione angesiedelt. Der italienische Sportwagen mit Maserati-Motor kommt allerdings erst ein Jahr nach der Pariser Messepremiere in limitierter Stückzahl nach Deutschland. Als Porsche-Jäger will sich Audi mit dem neuen Mittelmotor-Sportler R8 etablieren. Der Allrad-Renner erhält wahlweise einen 4,2-Liter-V8 oder einen 5,0-Liter-V10, der jeweils direkt hinter den Vordersitzen unter einer Glashaube platziert wird.

Wer weniger Geld hat und trotzdem zügig unterwegs sein möchte, kann sich bei Toyota oder Suzuki umsehen. Die beiden Kleinwagen Yaris und Swift kommen Anfang 2007 in sportlichen Versionen mit 132 PS beziehungsweise 125 PS auf den Markt und kosten jeweils um die 18 000 Euro. Deutlich günstiger, aber mit 74 kW/100 PS auch etwas schwächer wird der Fiat Panda 100 HP, der voraussichtlich ab etwa 13 000 Euro erhältlich sein soll. Eine Klasse höher, bei den GTI-Jägern der Kompaktklasse, debütieren der Audi S3 und der Mazda3 MPS mit jeweils um die 260 PS sowie der 200 PS starke Honda Civic Type R. Immer sportlich unterwegs ist man auch mit dem Mini, der gut fünf Jahre nach seinem Debüt unter BMW-Regie nun in zweiter Generation vorgestellt wird. Auf den ersten Blick nicht vom Vorgänger zu unterscheiden, zeichnet sich der neue Mini insbesondere durch die gemeinsam mit PSA entwickelten modernen Benzinmotoren aus.

Keine Messe ohne Aufsehen erregende Studien: Vor allem die französischen Autobauer nutzen ihr Heimspiel in der Hauptstadt, um Blicke in die nähere und fernere Zukunft zu werfen. Recht nah am künftigen Serienmodell ist beispielsweise der Peugeot 207 Epure, zumindest was die Optik angeht. Das in Perlmuttweiß lackierte Concept Car tritt im nächsten Frühjahr als 207 CC die Nachfolge des erfolgreichen Kleinwagencabrios 206 CC an. Weniger seriennah ist der Antrieb des Zweitürers: eine Brennstoffzelle, die für 350 Kilometer Reichweite und 130 km/h Höchstgeschwindigkeit gut sein soll. An eine Serienproduktion ist beim Peugeot 908 RC leider nicht gedacht. Die mehr als fünf Meter Luxuslimousine mit vier Türen betört durch ihr coupéhaftes Design, wird aber vorerst ein Traum bleiben. Ganz anders der Antrieb: Der V12-Diesel soll im nächsten Jahr den Rennwagen 908 bei der Le-Mans-Rennserie antreiben. Der Zwölfzylinder-Diesel mit Partikelfilter sitzt direkt vor der Hinterachse und schickt mehr als 515 kW/700 PS und 1 200 Nm Drehmoment an die Hinterräder.

Auch Citroen hat rechtzeitig zum Pariser Salon einen automobilen Traum auf die Räder gestellt. Der C-Metisse ist ein 1,24 Meter flaches Geschoss mit vier nach oben öffnenden Flügeltüren. Das Concept Car streckt sich auf 4,75 Meter Fahrzeuglänge und bietet bei einem Radstand von drei Metern fürstliche Platzverhältnisse auf Einzelsitzen wie in einer Oberklasse-Limousine.

Optisch mag der C-Metisse ("Halbblut") nur eine Fingerübung sein, technisch aber untermauert er den Anspruch des PSA-Konzerns, bis 2010 ein Fahrzeug mit einem Diesel-Hybridantrieb zur Serienreife zu bringen. In dem Concept Car kommt eine sparsame und kraftvolle Kombination aus einem V6-Diesel und zwei elektrischen Radnabenmotoren an den Hinterrädern zum Einsatz. Damit sprintet der Citroen in nur 6,2 Sekunden von null auf 100 km/h und erreicht ein Spitzentempo von 250 km/h, verbraucht im Durchschnitt aber nur 6,5 Liter je 100 Kilometer.

Renault zeigt mit der Studie Nepta, wie man sich eine Rückkehr der Franzosen in die Luxusklasse vorstellen könnte. Das viersitzige Cabrio wirkt nach den Design-Extravaganzen der letzten Jahre wie eine Rückbesinnung auf traditionelle Formen und weiche Flächen. Die Seitenlinie ist gestreckt und wellenförmig geschwungen und soll zusammen mit anderen Stilmitteln Assoziationen zu edlen Motorbooten wecken. Auf jeden Fall weckt der Nepta Assoziationen zu anderen Luxus-Cabrios wie dem Bentley Azure. Kein schlechtes Vorbild für die französische Volumenmarke, der in Europa zuletzt ein wenig Fortune fehlte. Den Antrieb des Nepta besorgt ein V6-Benziner mit 309 kW/420 PS.

Aus deutscher Sicht ist der VW Iroc die interessanteste Studie des Pariser Salons. Der Zweitürer gibt einen Ausblick auf den für 2008 erwarteten neuen Scirocco - wie konkret dieser Ausblick ausfällt, weiß momentan außerhalb von Volkswagen niemand so genau. Zu hoffen ist aber, dass der künftige sportliche Golf-Ableger der Studie Iroc möglichst nahe kommt. Das 4,24 Meter lange Coupé verbindet eine rassige Formensprache mit einem vergleichsweise steilen Heck, das für ausreichend Platz auf der Rückbank und im Kofferraum sorgt. Alltagstauglichkeit trifft dynamisches Design und fortschrittliche Technik: So könnte 2008 ein Schuh draus werden. Michael Hoffmann/mid mid/mh


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