Auto & Umwelt

Die Spritfresser

Autos brauchen Kraftstoff. Das ist im Grunde genommen eine Binsenweisheit, die jedermann bekannt ist. Doch lohnt es sich durchaus, hier einen genaueren Blick zu werfen: Warum ist das eigentlich so? Die überraschende Antwort ist, dass es ausgerechnet das Erdöl war, das den Ausschlag gegeben hatte, dass Autos mit Verbrennungsmotoren sich durchsetzen, die auf Benzin beruhten – was knapp 100 Jahre später zum Fluch werden könnte.



Ein uraltes Prinzip

Der Grund, warum Autos auf Kraftstoffe angewiesen sind, liegt an der Arbeitsweise des Motors: Dieser ist ein Verbrennungsmotor, der zwar in unterschiedlichen Varianten vorliegen kann, allerdings in der überwältigenden Mehrzahl der Fälle auf einem steinalten Prinzip beruht: dem Kolbenmotor. Uralt ist das Prinzip deshalb, weil es mehr als 200 Jahre vor dem Anfang des Autobooms bereits erfunden worden ist. Dem niederländischen Physiker Christian Huygens wird diese Erfindung zugeschrieben, er konstruierte im Jahr 1674 eine Kolbenmaschine mit Pulverantrieb. Dieser Form, dem Explosionsmotor, war keine Zukunft beschieden, aber das Prinzip des Kolbenmotors ist bis in die Gegenwart führend unter den Motoren.



Vielfalt von Anbeginn an

Es hat einige Zeit gedauert, ehe sich Motoren im heutigen Sinne herausgebildet haben. Von Anfang an gab es nebeneinander unterschiedliche Ansätze: Elektrofahrzeuge, Dampffahrzeuge, solche mit einem Gasmotor und eben jene, die mit Benzin fuhren. Zahlen zeigen, dass Ende des 19. Jahrhunderts keineswegs die Entscheidung für oder gegen eine Variante gefallen war. Als Beleg werden of die Zahlen der amerikanischen Herstellung von Automobilen herangezogen: Von knapp 4.200 Autos waren 1.688 Dampfautomobile, 1.575 Elektrofahrzeuge und 929 hatten einen Benzinmotor. Es sollte noch mehr als zwanzig Jahre dauern, ehe sich der Benziner gegenüber den anderen Motortypen durchgesetzt hatte. Auch alternative Antriebsarten, wie der Petroleummotor oder der Spiritusmotor gingen gegen den Benziner unter. Der entscheidende Grund ist das Erdöl gewesen.



Erdöl: Billig, höhere Energiedichte

Die Gründe für den Siegeszug des Erdöls und damit bedingt auch des auf Benzin basierenden Verbrennungsmotors liegt in den Vorteilen, denen die Verwendung von Erdöl bzw. Benzin bot: Das Schwarze Gold war billig, technischer Fortschritt beim Motorenbau brachte die anderen Vorzüge zur Geltung. Da Erdöl eine hohe Energiedichte hat, etwa im Vergleich zu elektrischen Speichern, kann damit erstens wesentlich schneller und zweitens auch noch wesentlich weiter gefahren werden. Und genau deshalb bevölkern auch noch in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts die Fahrzeuge die Straßen, die im Prinzip auf den ursprünglichen Ansatz des Benzin-Verbrennungsmotors beruhen. Und auch die Vorteile sind die gleichen geblieben – fast: Denn Öl, so scheint es wenigstens, ist nicht mehr billig.



Hoher Ölpreis – Comeback der Alternativen

Es ist keine Frage, dass der hohe Ölpreis die Alternativen beim Antrieb wieder ins Spiel bringt. Eigentlich sind viele davon nie völlig außer Mode geraten, zum Beispiel hat der Elektromotor in der westlichen Industriewelt seinen festen Platz in vielen Nischen – nur gegenüber dem dominierenden Antrieb eines Verbrennungsmotors keine Chance. Das könnte sich ändern. Doch nicht nur alte Eisen könnten – in neuem, modernem Gewand – wieder ein Comeback erfahren, auch neue Ansätze werden erprobt. Wie schon in den Anfangszeiten gehen dabei die Prinzipien des Motorbaus und der unterschiedlichen Kraftstoffe Hand in Hand. So wird ein mit Gas betriebener Wagen nach wie vor ein Verbrennungsmotor sein – gleichfalls ein auf Wasserstoffbasis fahrendes Auto. Man darf nicht vergessen, dass die sinkenden Verbrauchsziffern der vergangenen Jahre nicht zuletzt auf die steigende Verwendung von Diesel als Kraftstoff zurückzuführen sind.



Optimierung nicht vergessen

Neben generellen Alternativen gibt es auch andere Wege, die zumindest auf Sicht von Jahren eine wesentlich wichtigere Rolle spielen werden, als gänzlich abweichende Pfade: Die Optimierung der bestehenden Motoren und Autos, durch die eine starke Verbrauchssenkung durchgeführt werden kann, ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. Gewissermaßen ist auch die Verwendung von Diesel bereits ein wichtiger Schritt der Optimierung, am Kraftstoff eben; dieser könnte durch die Verwendung von Biokraftstoffen (Biodiesel) weitergeführt werden. Darüber hinaus hat – im Gegensatz zu den Anfängen des Verbrennungsmotors – die Elektronik eine wesentliche Rolle im Auto übernommen: Deren Optimierung wird ebenfalls als Mittel verwendet, um Sprit einzusparen.



Fazit

Das Motto "Weg vom Erdöl" ist nicht unbedingt mit der Abkehr vom Verbrennungsmotor gleichzusetzen, zumal realistischerweise eine Transformation Jahrzehnte in Anspruch nehmen dürfte.

So ist es sinnvoll, auf allen Ebenen, auch der zeitlichen, ausgehend von den nahe liegenden Möglichkeiten bis hin zu visionären Konzepten alles auszuloten, was darauf abzielt, die Abhängigkeit der Mobilität vom Öl zu verringern und schließlich gänzlich zu lösen. Nachfolgend gehen wir den unterschiedlichen Ansätzen auf die Spur.


 
 

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