Auto & Umwelt

Grüne Formel 1

Umweltschutz in der Formel 1? Der Motorsport gar als Vorreiter des umweltverträglichen und rohstoffsparenden Verkehrs? Eigentlich undenkbar angesichts der Fakten. Gegenwärtig dürften die Formel 1-Boliden jedem Umweltpolitiker die Tränen in die Augen treiben. Der Verbrauch liegt bei stolzen 80 bis 100 Litern je 100 Kilometer und auch der CO2-Ausstoß ist im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend: 1.500 Gramm CO2 pro Kilometer speien die hochgezüchteten Fahrzeuge in die geplagte Atmosphäre.

Zum Vergleich: Gegenwärtig wird für normale Pkw ein Durchschnittswert von 160 bis 170 Gramm angenommen, geht es nach dem Willen der Politik, soll dieser auf 130 Gramm CO2 sinken. Trotzdem – oder vielleicht sogar, weil das so ist: Die Formel 1 soll "grüner" werden und bei der Entwicklung kraftstoffsparender Technologien die Vorreiterschaft erringen. Nicht ganz uneigennützig sind derartige Vorstellungen, denn ohne das grüne Label dürfte der Motorsport über kurz oder lang an Akzeptanz und Attraktivität verlieren. Es handelt sich also um eine strategische Entscheidung.



Honda: Symbolpolitik am Fahrzeug

Eine Augenweide ist das Formel 1-Fahrzeug von Honda, der RA107, in der Saison 2007 gewesen. Ganz ohne die üblichen grellbunten Werbeaufdrucke hat der Bolide seine Runden gedreht, stattdessen war die Erde in Form eines Weltraumfotos auf dem Auto zu sehen. Honda hat mit diesem Design ein Zeichen gesetzt – natürlich auch in eigener Sache.

Denn der Konkurrent Toyota hat mit seinen Hybrid-Anstrengungen rund um den Erdball bereits für einen Reputationsgewinn gesorgt. Honda will dem nicht nachstehen und benutzt sein Formel 1-Engagement als Hebel, um die eigenen Anstrengungen medienwirksam zu transportieren. Das ist – gemessen an den harten Fakten – wagemutig, denn die Formel 1 gilt in Umweltschutzbereichen als Gegenbild zu allem, was angesichts knapper werdender Rohstoffe als Vorbild dienen könnte.

Wie ernst es Honda mit seinem symbolischen Auftritt ist, zeigt aber auch, dass der Konzern eine eigene Webseite zu dem Thema eingerichtet hat, wo die Leitlinien bekräftigt werden: Effizientere Fahrzeuge als Ziel, die Formel 1 als Werbebanner. Auch in der Formel 1 selbst werden voraussichtlich derartige Wege in den kommenden Jahren beschritten.



Erste Schritte in Richtung "grüne Formel 1"

Die ersten Schritte in Richtung einer "grünen Formel 1" werden bereits in der Saison 2008 getan. So schreibt das neue Reglement vor, dass mindestens 5,75 Prozent des verbrauchten Treibstoffes aus Biokraftstoff bestehen müssen. Das ist zwar ein zunächst bescheidener Anfang, aber immerhin ein Anfang, der deutlich macht, dass die weiteren Pläne keine Lippenbekenntnisse sind.

Andere Pläne reichen deutlich weiter in die Zukunft. Es geht darum, Technologien zu entwickeln, die helfen können, Schadstoffe einzusparen. Dabei geht die Weiterentwicklung in Richtung einer Kombination aus Otto-Motor und Elektro-Antrieb, allerdings nicht im Sinne eines richtigen Hybrid-Antriebs. Vielmehr sollen Fahrzeuge bei Bremsvorgängen Energie sparen und diese speichern – diese soll durch einen so genannten "Power Boost" entladen werden können, um dem Auto einen zusätzlichen Schub zu verleihen. Diese Technologie ist auch in normalen Pkw denkbar und es ist augenscheinlich, dass die Formel 1 durch ihre herausragende öffentliche Stellung eine Art Wegbereiter für sparsame Technologie darstellen soll.

Neben der technologischen Fortschrittlichkeit spielt hierbei allerdings auch die Werbung die zentrale Rolle: Formel 1, so formulierte es jüngst Renault-Teampräsident Bernard Rey in einem Interview, dient eben vor allem zur Schaffung eines starken Markenbewusstseins. Wenn zum Beispiel 2009 KERS implementiert werden sollte, wird das bei den verschiedenen Teams eben auch dazu führen, der zuschauenden Öffentlichkeit die technologischen Stärken der Marke vorzuführen.



Alles ist relativ

In der Tat sollte man trotz der absurden Zahlen beim Verbrauch und Schadstoffausstoß nicht vergessen, dass es tatsächlich ein vernachlässigenswerter Faktor ist, ob die Formel 1-Fahrzeuge etwas mehr oder weniger verbrauchen.

Die Masse macht es, nicht die Königsklasse. So wird zu Recht darauf verwiesen, dass die Zuschauer bei einem Formel 1-Rennen wesentlich größeren Anteil durch die Anfahrt mit ihrem Pkw am Schadstoffausstoß und Treibstoff-Verbrauch haben als die Rennställe und ihre Boliden. Selbst wenn man Formel 1-Renner bauen könnte, die gar keinen fossilen Treibstoff verbrauchen und auch keine Abgase ausstoßen würden, bliebe das faktisch folgenlos, so lange die breite Masse das nicht tut.

Auf der anderen Seite tut die Formel 1 gut daran, sich auf dieser Argumentation nicht auszuruhen. Aktionen, wie die von Honda, mögen vor allem symbolischen Wert haben (oder auch nicht), technologische Fortschritte hingegen könnten tatsächlich ein wichtiger Faktor sein, um auch die Masse der Fahrzeuge umweltverträglicher zu machen.


 
 

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